CYNETARTIST Talk – Sinnliche Forschung an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft


Die Awards sind vergeben, die Laudatios und Dankesreden gehalten; und vieles, was dort angerissen wurde, in den wenigen Sätzen, die eine Preisverleihung gestattet, empfiehlt sich für eine vertiefende Betrachtung.

Ein Statement, das in allen prämierten Arbeiten und Einführungsreden anklang: Von einer Entfremdung zwischen dem digitalem Environment und dem Körper kann keine Rede sein. Medienkunst ist eine unbedingt sinnliche Angelegenheit.

Vom “hedonischen Körper” spricht der Medientheoritiker Werner Jauk in seinem Katlogtext zur Digital Culture: “Die Wahrnehmung als Körper-Umwelt-Interaktion entfernt sich zwar zunehmend von ihrer Unmittelbarkeit”, dafür generieren die Medien ganz neue Umwelten – die sind zwar vollständig mediatisiert und durch technische Innovation instrumentalisiert, erzeugen aber dennoch eine unbedingte sinnliche Erfahrung.

Werner Jauk sieht in der digitalen Virtualität, in der wir uns heute mehr oder weniger freiwillig und nahezu permanent befinden, einen Erfahrungsraum, der ähnlich dem der Musik ist: dynamisch, spannungsgeregelt, emotionsgeladen und mit einem eigenen, sinnlich erfahrbaren Zeichensystem – die Digital Culture ist eine dynamisierte Welt aus Codes.

Der Körper ist in dieser virtuellen Culture keineswegs unnütz. Man braucht ihn als vielstimmiges sinnliches Interaktionstool. Als einen “hedonischen Körper” innerhalb eines elektronischen “Auditory Space”.

Wie das aussehen kann, welche Erfahrungen man hier sammelt und wie die Interfaces der Medienkunstinstallationen impulsgebend eingesetzt werden, das will ein Artist Talk am zweiten Festivaltag ausloten.

Um einen keineswegs pauschalen Einstieg in den Festivalschwerpunkt zu finden, gehen wir in versierter Runde den Fragen nach, die Sabine Schorlemer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, in ihrem Eröffnungsgrußwort aufgeworfen hat:

“Ist die Informationsgesellschaft, die uns mit Kaskaden von Bits überschüttet, wirklich ein Fortschritt? Und wenn ja, was müssen wir tun, um sie nach menschlichem Maße nutzen zu können? Ist Virtualisierung wirklich eine Tugend? Nicht theoretisch und nicht reißerisch, sondern mit den Mitteln der Kunst – Subtilität, Dialektik, Ironie und Sinnlichkeit – geht die computergestützte Kunst solchen Fragen nach. So spielerisch ihr Ansatz auch oft ist, ihre geistigen Hintergründe sind dieselben wie die aller Künstler. Ernstzunehmende Kunst setzt sich immer mit den Fragen ihrer Zeit auseinander.”

“Medienkünste sind eine Symbiose von Wissenschaft und Kunst – also eine forschende Disziplin.” (Werner Jauk)

“Die Arbeiten und Projekte der Preisträger des diesjährigen internationalen CYNETART-Wettbewerbes konzentrieren sich auf den Körper und die Konstruktion von Wirklichkeit in der digitalen Welt. Die CYNETART findet nicht nur auf Monitoren statt, sie gestaltet Räume, greift in Architektur ein, präsentiert Installationen, zeigt Medienkunst in einem größeren Zusammenhang, generiert soziale Netzwerke und entwirft durchaus politische Kommunikations-Utopien.” (Dieter Jaenicke, Künstlerischer Leiter HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden)

Gesprächsgäste am Freitag 12.11.2010 um 17 Uhr in der CYNETART Lounge: Verena Friedrich (Preisträgerin Förderpreis der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst 2010), Anke Eckardt (Artist-in-Residence), Jannis Kreft (CYNETART Preis der Dresdner Stiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden 2010) und viele andere der ausstellenden Künstler. Der Artist Talk wird moderiert von Olaf Bargheer.